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Notfallseelsorge

Geschichte

Seit 1996 gibt es im Bezirk Brixen des Landesrettungsvereins Weißes Kreuz ein Pilotprojekt
Notfallseelsorge. Durch die Begegnung mit einem Notfallseelsorger im Rahmen einer Weiterbildung für Rettungssanitäter in Deutschland kam die Idee der Notfallseelsorge nach Brixen. Mag. Arthur Punter, der derzeitige Leiter der Notfallseelsorge, hat mit einigen MitarbeiterInnen im Rettungsdienst und KollegInnen an der Phil.-Theol. Hochschule von Brixen die Idee in mühsamer Pionierarbeit umgesetzt und eine erste Einsatzgruppe aufgebaut. Der Landesrettungsverein des Weißen Kreuzes hat das Pilotprojekt von Anfang an mit getragen und unterstützt.

Ziele:
Was ist Notfallseelsorge?

Notfallseelsorge ist ein freiwillig geleisteter Dienst, der psychologische Betreuung und
seelsorglichen Beistand den Menschen anbietet, die durch Unfall oder Krankheit in akute, das
persönliche und soziale Leben erschütternde Notlagen geraten sind.
Den seelsorglichen Beistand verstehen wir als ergänzendes Angebot zur psychologischen Betreuung d. h. Angehörige und Betroffene werden nach einem belastenden Ereignis in den ersten Minuten und Stunden begleitet. Der Notfallseelsorge geht es um
die Unterstützung von Betroffenen bei der Rückkehr zu Normalität und Handlungsfähigkeit
die Rückbildung der akuten Belastungsreaktion die Prävention von posttraumatischen Belastungsstörungen die Verhinderung von pathologischer Trauer

NotfallseelsorgerInnen: Wer sind sie?

Die NotfallseelsorgerInnen sind freiwillige MitarbeiterInnen des Weißen Kreuzes, die einen Teil ihrer
Freizeit für den Dienst der Notfallseelsorge zur Verfügung stellen. Sie sind mindestens 25 Jahre alt
und kommen aus allen möglichen Berufen. Die Ausbildungskurse umfassen die Bereiche
Notfallseelsorge und Krisenintervention im Rettungsdienst. Ausgebildet werden sie von erfahrenen NotfallseelsorgerInnen des Weißen Kreuzes in Zusammenarbeit mit MitarbeiterInnen des Kriseninterventionsteams des ASB München.
Die NotfallseelsorgerInnen tragen eine rote Einsatzjacke und sind mit einem Einsatzkoffer mit allen notwendigen Hilfsmitteln ausgerüstet.

Aufgaben: Worin besteht die Tätigkeit der Notfallseelsorge?


Betreuung von Hinterbliebenen nach erfolgloser Wiederbelebung
Betreuung von unverletzt Beteiligten bei schweren Verkehrs- und Arbeitsunfällen
Betreuung von Einsatzpersonal nach Dienstunfällen
Sorge um einen würdigen Umgang mit Toten
Begleitung der Angehörigen beim Abschiednehmen von Verstorbenen
Kontaktaufnahme mit Familien, Freunden und SeelsorgerInnen nach Todesfällen und Überbringen
von Todesnachrichten in Zusammenarbeit mit den Behörden
Interventionen bei Kindernotfällen (Plötzlicher Kindstod - SID)
Einsatz bei Suiziddrohungen und Betreuung von Angehörigen nach Suizid
Vermitteln von psycho - sozialen Hilfen und Diensten
Die Notfallseelsorge bietet eine einmalige Betreuung an, die so lange dauert bis Angehörige, Freunde, Pfarrer oder Ärzte vor Ort sind. Den betroffenen Menschen hinterlassen die NotfallseelsorgerInnen ein
Faltblatt mit Informationen und Adressen von psycho-sozialen Hilfsstellen, die eine weiterführende
Betreuung anbieten.
Stufe 1: öffentlicher Bereich
Stufe 1: öffentlicher Bereich
Erfahrungen

Es geht in der Notfallseelsorge darum, für die Menschen DA ZU SEIN, eine aktive Gegenwart und
Anwesenheit, die den Menschen in seinem Leiden, in seinem Gefühlschaos, in seiner
Orientierungslosigkeit und Verlorenheit vorurteilslos und interesselos ernstnimmt und achtet. Darin wird ihnen ihre Würde und ihre Werthaftigkeit konkret gewahrt, geschützt und gestärkt.
Es geht darum, bei den Menschen zu bleiben und bei ihnen auszuhalten, was da auf sie unerwartet, unvorhergesehen und plötzlich zugestoßen bzw. auf sie zugekommen ist;
für die Menschen Zeit haben, ihnen zuhören, sie ankommen lassen;
mit den Menschen die Wirklichkeit in ihrer erlittenen „Unwirklichkeit“ wahrzunehmen,Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einzufangen und zu verbinden;
in den Menschen die Urfragen des Lebens, die Fragen nach dem Sinn und nach den weiteren
Lebensperspektiven sowie deren tiefsten zähen und doch zerbrechlichen Sehnsüchte, Verletzungen, Selbstvorwürfe, Klagen, Gefühle wie Schuld, Hass, Wut, Angst, Leere, Verlorenheit, Verlassenheit u.a.
aufkommen zu lassen und auch dazu achtsam und umsichtig zu helfen bzw. zu ermutigen. Oft gilt es auch, das Aufkommen dieser Fragen und Gefühle vor anderen zu schützen und abzuschirmen. Der Mensch braucht einen geschützten Freiraum, seinen Gefühlen und Gedanken, seinen Deutungen und Reaktionen Ausdruck zu verleihen. Oft führt die Frage nach den Gründen des Geschehenen oder des Ereignisses zur negativen, pessimistischen Einschätzung: das alles ist eine Strafe!
Einsatzbereich Die Rettungsmannschaft vor Ort, die sich primär um die Verletzten kümmert und daher kaum Zeit für Angehörige hat, kann die Notfallseelsorge über die Landesnotrufzentrale 118 anfordern.
Aber auch Feuerwehren, Bergrettungsdienste und Basisärzte können den Notfallseelsorgedienst
anfordern bei

�� Erfolgloser Reanimation
�� Plötzlichem Kindstod SID
�� Freizeitunfall (Berg/Sport/Ski/Fliegen ...)
�� Verkehrsunfall (Auto/Bus/Zug ...)
�� Arbeitsunfall
�� Dienstunfall
�� Überbringen von Todesnachrichten mit den Behörden
�� Vermisstensuche
�� Suizid
�� Suizidversuch
�� Schadensereignis (Brand/Überschwemmung/Murenabgang)
�� Großschadenslage (Großbrand/Flugzeugunfall/Naturkatastrophen)

Die Notrufzentrale 118 verständigt den/die diensthabenden Notfallseelsorger/in des jeweiligen
Einzugsgebietes.
Stufe 1: öffentlicher Bereich
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